Meisterbrief

Die wirtschaftliche Betätigung im Meisterhandwerk

Es gilt in Deutschland für ausländische Handwerksbetriebe und Handwerker aus anderen EU-Staaten (ebenso wie für deutsche Handwerker und deutsche Handwerksbetriebe) die Handwerksordnung.

Die wirtschaftliche Betätigung in dem so genannten Meisterhandwerk erfordert vor der Aufnahme der Tätigkeit die Eintragung derselben zu der Handwerksrolle oder ihre Anzeige und Dokumentierung vergleichbarer Berufsqualifikationen und deren Bestätigung durch die zuständige Handwerkskammer. Anderenfalls ist die wirtschaftliche Betätigung strafbar wie Schwarzarbeit oder Schwarzbetätigung.

Es betrifft die unten genannten 41 Arten der handwerklichen Tätigkeit, die in der Anlage A zum § 1 Abs. 2 der Handwerksordnung aufgezählt sind:

  1. Maurer und Betonbauer;
  2. Ofen- und Luftheizungsbauer;
  3. Zimmerer;
  4. Dachdecker;
  5. Straßenbauer;
  6. Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer;
  7. Brunnenbauer;
  8. Steinmetz und Steinbildhauer;
  9. Stuckateure;
  10. Maler und Lackierer;
  11. Gerüstbauer;
  12. Schornsteinfeger;
  13. Metallbauer;
  14. Chirurgiemechaniker;
  15. Karosserie- und Fahrzeugbauer
  16. Feinwerkmechaniker;
  17. Zweiradmechaniker;
  18. Kälteanlagebauer;
  19. Informationstechniker;
  20. Kraftfahrzeutechniker;
  21. Landmaschinenmechaniker;
  22. Büchsenmacher;
  23. Klempner;
  24. Instalateur und Heizungsbauer;
  25. Elektrotechniker;
  26. Elektromaschinenbauer;
  27. Tischler;
  28. Boots- und Schiffbauer;
  29. Seiler;
  30. Bäcker;
  31. Konditor;
  32. Fleischer;
  33. Augenoptiker;
  34. Hörgeräteakustiker;
  35. Orthopädietechniker;
  36. Orthopädieschumacher;
  37. Zahntechniker;
  38. Friseur;
  39. Glaser;
  40. Glasbläser und Glassapparatebauer;
  41. Vulkaniseure und Reifenmechaniker;

 

Die Eintragung in die Handwerksrolle

Die Anzeige oder Eintragung in die Handwerksrolle sollte bei der örtlich für die geplante wirtschaftliche Tätigkeit zuständigen Handwerkskammer erfolgen.

Sie ist dann möglich, wenn

ein deutscher Meisterbrief oder eine andere Bescheinigung über das Bestehen eines vergleichbaren Prüfung (z.B. abhängig vom Beruf ein Abschlussdiplom einer höheren Schule

oder

als Staatsangehöriger eines Staates der EU der Ausnahmebewilligung der Handwerkskammer entsprechend § 9 der HwO vorliegen.

 

Die Ausnahmebewilligung nach § 9 der HwO und der Richtlinie 1999/42 der EU.

Die Ausnahmebewilligung erhalten Personen, die vor der Beantragung ihrer Eintragung in die Handwerksrolle in ihrem Herkunftsstaat handwerklich tätig waren und

  • mindestens sechs Jahre lang ununterbrochen eine selbstständige Tätigkeit in diesem Handwerk oder als angestellter Leiter eines Handwerkbetriebes tätig waren und seitdem zum Zeitpunkt der Antragsstellung nicht mehr als zehn Jahre vergangen sind
  • oder seit mindestens drei Jahren ununterbrochen selbstständige Tätigkeit in dem Handwerk ausgeübt haben oder die als Angestellter in leitender Stellung in dem betreffenden Handwerk nach vorheriger Beendigung einer mindestens drei Jahre andauernden beruflichen Ausbildung in dem Handwerk arbeiten
  • oder seit mindestens vier Jahren ununterbrochen selbstständig tätig waren oder in einer leitenden Stellung in einem Unternehmen des Handwerks, nachdem sie vorher eine zweijährige Berufsausbildung in dem betreffenden Handwerk absolviert haben, arbeiten
  • oder seit mindestens drei Jahren ununterbrochen eine selbstständige Tätigkeit in dem betreffenden Handwerk ausgeübt haben und mindestens fünf Jahre als Mitarbeiter in dem jeweiligen Handwerk tätig waren und seit der Beendigung der Tätigkeit im Zeitpunkt der Antragsstellung nicht länger als zehn Jahre vergangen sind
  • oder seit mindestens fünf Jahren ununterbrochen in leitender Stellung gearbeitet haben, wovon mindestens drei Jahre zu ihren Pflichten die Aufgaben technischer Art sowie die Verantwortung für mindestens eine Abteilung des Unternehmens nach der Beendigung einer mindestens drei Jahre andauernden beruflichen Ausbildung in dem jeweiligen Beruf bzw. Handwerk absolviert haben.

Die Ausnahmebewilligung kann entsprechend der Richtlinie 1999/42 der EU nach Vorlage vergleichbarer Dokumente (Diplome oder Zeugnisse) die die berufliche Qualifikationen bescheinigen, erteilt werden. Wenn die aus den vorgelegten Dokumenten hervorgehenden Qualifikationen erheblich von den notwenigen Qualifikationen für das jeweilige Handwerk abweichen, kann von dem Antragsteller das Bestehen einer entsprechender Prüfung oder Zusatzprüfung gefordert werden.

Wir weisen Sie vorsorglich auf die Existenz spezieller Regelungen, die die Qualifikationen der grenzüberschreitend tätigen Schornsteinfeger, Hörgeräteakustiker, Orthopädieschuhmacher und Zahntechniker betreffen, hin.